02.05.2016

Mit Fingerspitzengefühl

Mit Fingerspitzengefühl

Eine ganz besondere Herausforderung für den Reiseleiter: Pilgerfahrten und Destinationen wie Klöster, Stifte und Kirchen.


Beim Schwerpunkt Pilgerreisen, Klöster und religiöse Stätten kann zumeist von einer homogenen Reiseruppe ausgegangen werden. Wichtig ist jedoch zu beachten, ob die Reisegruppe nur an religiösen Destinationen interessiert oder selbst religiös ist. Eine Kontaktaufnahme mit den Verantwortlichen der Gruppe bereits im Vorfeld der Reise ist ratsam.

Neben dem Interesse an religiösen und kulturellen Bauten und Destinationen können auch die Auseinandersetzung mit eigenen (spirituellen oder religiösen) Emotionen, Empfindungen und entsprechenden Erfahrungen sowie das Gemeinschaftsgefühl sich als wichtige Bedürfnisse der Reisenden darstellen. Körper, Geist und Seele zu bereichern und mit sich in Einklang zu kommen, stellt dann ein wichtiges Grundziel der Reise dar und ist nicht direkt an materielle Elemente gebunden. Die nachhaltige und erfolgreiche Kommunikation des Reisefeelings sollte daher durch pädagogische, organisatorische und psychologische Mittel und Wirkmechanismen forciert werden. Ziel muss es sein, ein positives Gruppenerlebnis und hieraus einmalige Erlebnisse zu vermitteln. Gerade Klöster, Kirchen und Pilgerstätten bieten hier eine Vielzahl an Möglichkeiten, um den Kunden mit Körper, Geist und Seele einzubinden und Selbsterfahrungsprozesse zu ermöglichen.

Die Abstimmung mit Verantwortlichen der Gruppe stellt für das Gruppengefühl unterwegs ein wichtiges Element dar. Auch können so kurzfristige Destinationen und Wünsche in den Reiseverlauf integriert werden. Wichtig ist es daher, Chancen vor Ort die nicht im Reiseprogramm stehen, aber ein Highlight darstellen würden, in Erfahrung zu bringen. Beispiele sind etwa: Teilnahme an einer regionalen Prozession, einem Fest oder Gottesdienst; ungeplanter Halt an einer kleinen, weniger bekannten, aber passenden Destination (Wegkreuz/Kapelle/Statue); Kurzspaziergang an einem kreuzenden Pilgerpfad; Besuch eines Kräutergartens.

Der rote Faden muss erkennbar sein
Auch ein Treffen mit einer Kirchengemeinde vor Ort, der Besuch eines Gemeindehauses, sowie Gespräche mit Geistlichen können arrangiert werden. Ein Chortreffen oder die Möglichkeit, in einer bestimmten Destination musizieren zu können, schafft bleibende Reiseerlebnisse. Auch der heilende Einfluss von historischen Kenntnissen zu Kräutern, Behandlungsformen und Therapien können dem Reisegast zugänglich gemacht werden und spannende Aspekte der Reise unterstreichen. Die Reiseleitung sollte ein Reservoir an solchen zusätzlichen Punkten vorhalten, um gerade auch auf Wetterumschwünge schnell und kurzfristig reagieren zu können.

Der rote Faden einer Tour muss erkennbar sein und sich am Thema und der Gruppe orientieren. Fingerspitzengefühl und klare Konzepte bei Planung und Durchführung sind erforderlich. Die Reiseabläufe und fahrtbegleitende Kommentare müssen das Thema zentral aufnehmen und Standard-Konzepte entsprechend angepasst werden. Daher können die fahrtbegleitenden Vorträge nicht losgelöst von kulturellen und historischen Prozessen und Entwicklungen gesehen, verstanden und kommuniziert werden. Als Grundlage muss der Reiseleiter daher auch über historische und damit verbundene wirtschaftliche, politische und religiöse Prozesse des Zielgebiets, der Herkunftsregion der Reisegruppe und der entsprechenden Route verfügen. Religion stellt einen elementaren Bereich für kulturelle Prozesse in der Welt und Europa dar, wodurch Grundkenntnisse ohnehin vorhanden sein müssen. Der Anlass einer entsprechenden Reise kann darüber hinaus genutzt werden, um sich tiefergehend damit zu befassen und neue Ressourcen und neue Kenntnisse aufzubauen. Dieser eigene Lernprozess wirkt über die Reise hinaus und schärft das eigene Profil und das eigenen Verständnis.

Die eigene Einstellung
Zur Vorbereitung auf die Reise, ihr Thema und die Zielgruppe gehören auch eine professionelle mentale Einstellung der Reiseleitung selbst sowie ein sensibler Umgang mit diesem hochemotionalen Thema und den entsprechenden Destinationen. Der Reiseleiter ist Erfüllungsgehilfe des Busunternehmers, so dass eigene Einstellungen zu religiösen Ansichten sich nicht störend auf die Durchführung der Reise auswirken dürfen. Dies gilt auch für den Buschauffeur. Generell gilt es, heikle Themen wie Politik oder Religion aus Gesprächen mit Kunden herauszuhalten. Eine neutrale Einstellung und professionelle Distanz ist daher dringend erforderlich, um Diskussionen und Kommunikationsproblemen vorzubeugen.  Hierzu gehört es auch, die normalen Abläufe einer Reise kritisch zu hinterfragen und auf die neue Zielgruppe und das Thema anzupassen. Dies beginnt bei der Überprüfung von gewohnten Gesprächsfloskeln, Anekdoten, Sprachstilen und Witzen. Manche Kunden empfinden mitunter normalerweise passende Kommunikationsstile im religiösen Zusammenhang als pietätlos. Auch Speisepläne und das Thema Alkohol sollten sensibel behandelt werden.


Bus-Fahrt

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Das Magazin für die Omnibusbranche

Heft 08/2017 vom
15. August

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