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10.05.2022

Klosterbibliotheken: Paradiese für Bücher-Fans

Foto: Stift St. Paul
Foto: Stift St. Paul
Foto: Stift St. Paul

Nahezu alle Stifte und Orden von Klösterreich haben einen wertvollen Schatz: Bücher. Bei einer Besichtigung kommen Bücher-Fans garantiert auf ihre Kosten, denn zigtausende von Bänden werden in den Klosterbibliotheken gesammelt und bewahrt – das gespeicherte Wissen von Jahrhunderten aus sämtlichen Bereichen.

„Wir haben nicht nur theologische Bücher“, räumt Pater August Janisch von Stift Rein in der Steiermark mit einem Vorurteil auf, „sondern beispielsweise auch einen Frühdruck der Werke Shakespeares oder eine Anleitung wie man Pferde kuriert.“ In den beeindruckenden Klosterbibliotheken können Gäste dies anschaulich erleben, in die Vergangenheit eintauchen und seltene Kostbarkeiten entdecken.

Wer heute im Stift Admont die – von ihren räumlichen Dimensionen – größte Klosterbibliothek der Welt besichtigt, kann sich kaum vorstellen, wie mühsam der Beginn dieser Universalbibliothek war. Mit einigen wenigen Büchern, die sie aus Salzburg mitbrachten, nahmen die ersten Mönchen 1074 ihr klösterliches Leben im neu gegründeten Stift auf. Durch Schenkungen, Erwerbungen und Tausch vergrößerte sich nach und nach der Buchbestand. Zudem fertigten die Brüder im Skriptorium, der Schreibstube, zahlreiche Werke – Handschriften mit prächtigen Buchmalereien – für den eigenen Gebrauch und für andere Klöster. Immer wieder machen Forschende sensationelle Funde in dem umfangreichen Archiv des Stiftes Admont. So tauchten vor kurzem Teile des Abrogans, eines ca. 1.200 Jahre alten lateinisch-deutschen Wörterbuches, oder das älteste Rezept für eine Linzer Torte auf.

Zu den ältesten und eindrucksvollsten Klosterbibliotheken Österreichs zählt auch die Bibliothek des Stiftes St. Florian. Bis zum Deckenfresko erstrecken sich die mächtigen Bücherregale in dem spätbarocken Hauptsaal, der bei vielen Besuchern die Erinnerung an die Schlossbibliothek im Disneyfilm „Die Schöne und das Biest“ weckt. „Ich erinnere mich, dass eine französische Bloggerin das erste Mal diesen Vergleich zog“, so Stiftsbibliothekar Friedrich Buchmayr. „Immer wieder kommen Gäste, die dem Moment, in dem sich die Tür zur Bibliothek öffnet, entgegenfiebern und sehr begeistert von diesem Raum sind. Auch, wenn es etwas kurios ist, freut es mich dennoch, wenn Menschen auf diese Weise einen Bezug zu Büchern bekommen.“ Die Stiftsbibliothek beherbergt etwa 150.000 Bände, darunter 800 mittelalterliche Handschriften, eine der größten Sammlungen arabischer Literatur in Europa und eine Riesenbibel.

Im Stift Rein, dem ältesten ohne Unterbrechung bewohnten Zisterzienserkloster der Welt, hat Pater August eine Liste von Büchern, die dringend einer Restaurierung bedürfen. Buch-Paten erhalten eine persönliche Urkunde und auch im restaurierten Werk wird die Spende dokumentiert. „Buch-Patenschaften retten Wissen und sie sind einzigartig“, betont Pater August, „manche verschenken sie zu besonderen Anlässen wie Taufen oder Jubiläen“. Bei einem Rundgang durch den prunkvollen Schauraum zwischen Basilika und Bibliothekstrakt können Gäste einen Teil der rund 100.000 Bände von Stift Rein bewundern. Beispielsweise den Ritterroman „Theuerdank“ aus dem Jahr 1517 oder ein Faksimile des Reiner Musterbuches.

Einen besonderen Reiz und Stellenwert hat die große Bibliothek des Stiftes St. Paul in Kärnten: Die historischen Werke sind in einer modernen Regalarchitektur in den alten Gewölben untergebracht – ein faszinierender Kontrast. Aufgrund dieser Mischung hat die Bibliothek ihren ganz eigenen außergewöhnlichen Charme und besticht zudem noch mit ihrer Weitläufigkeit. Rund zwei Kilometer Bücherregale sind mit Bänden der Theologie, Philosophie, Medizin, Rechtsprechung und Naturwissenschaften gefüllt. Über eine Wendeltreppe erreicht man eine Etage darüber die Sammlung der Handschriften und Inkunabeln, die das Stift St. Paul nach der Nationalbibliothek zur bedeutendsten Büchersammlung Österreichs machen.

 

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