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10.08.2020

Wuppertal: Vision und Schrecken der Moderne

Foto: Selbstbildnis von Hoerle Heinrich
Foto: Selbstbildnis von Hoerle Heinrich
Foto: Selbstbildnis von Hoerle Heinrich

Als Beitrag zum Jubiläums-Jahr „Engels 2020“, mit dem Wuppertal den 200. Geburtstag von Friedrich Engels feiert, geht das Von der Heydt-Museum der Frage nach, wie sich die kulturellen und sozialen Aspekte der Industrialisierung in der Kunst vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart niedergeschlagen haben.

Das im Zuge der industriellen Revolution entstandene neue Wirtschaftssystem des Kapitalismus, dessen Grundlagen Marx und Engels kritisch analysierten, hat nicht nur zu technischem Fortschritt und kultureller Weiterentwicklung, sondern auch zu heftigen sozialen Konflikten geführt, die die Bildende Kunst reflektiert. Das Wupper-Tal, Geburtsort von Friedrich Engels (1820 Barmen, heute Wuppertal-Barmen – 1895 London) und im 19. Jahrhundert ein Zentrum der Textilindustrie, war ein Ausgangspunkt des industriellen Aufschwungs mit seiner weltbewegenden Dynamik. Die Porträtmalerei kam hier zu hoher Blüte und spiegelt das neue Selbstbewusstsein des Wirtschaftsbürgertums.

Gleichzeitig thematisierten um 1850 Künstler der Düsseldorfer Malerschule erstmalig die schwierigen Lebensbedingungen der Arbeiter. Unter dem Einfluss des Naturalismus setzten sich seit den 1880er Jahren Künstler wie Hans Baluschek in der Malerei, Max Klinger und Käthe Kollwitz in der Graphik, Constantin Meunier und Bernhard Hoetger in der Skulptur intensiv mit der Misere des Proletariats auseinander. Mit einer unheilvollen Allianz aus Industrie und Militarismus markierte der Erste Weltkrieg eine zeitgeschichtliche Zäsur. Seine Auswirkungen führten zu einer Verschärfung der gesellschaftlichen Probleme. In der angespannten Nachkriegssituation wandten sich Maler wie Conrad Felixmüller, George Grosz, Otto Dix sowie die Kölner Progressiven um Heinrich Hoerle und Franz Wilhelm Seiwert linksgerichteten politischen Bestrebungen zu. Gleichzeitig waren Künstler der Neuen Sachlichkeit, etwa Carl Grossberg, Max Beckmann oder Franz Radziwill, beeindruckt von den Phänomenen der neuen Industrielandschaft, von der Dynamik der Großstadt, von der gleichermaßen magischen wie unheimlichen Anziehungskraft der Maschine.

Ein eigenes Kapitel innerhalb der Ausstellung bildet die Auseinandersetzung der Fotografie mit der Industriearchitektur: Von ihrer Entdeckung als abbildungswürdigem Gegenstand in den 1920er Jahren durch Fotografen wie Eugen Batz oder Albert Renger-Patzsch, in deren Werken sich der Geist einer neuen Epoche ausdrückt, führt die Entwicklung zur künstlerischen Dokumentation der Industrieepoche. So etwa in der „Subjektiven Fotografie“ eines Peter Keetmann in den 1950er Jahren oder in den 1970er Jahren bei Heinrich Heidersberger. Die Ausstellung endet offen und macht in ihrem letzten Kapitel einen zeitlichen Sprung: mit Positionen der Gegenwartskunst, etwa von Andreas Sieckmann, Thomas Locher, Maike Freess, Maarten Vanden Eynde.

Mehr Infos unter: www.von-der-heydt-museum.de

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