BUS-Fahrt BUS-Fahrt Das Portal für die Omnibusbranche
15.04.2019

Frankreich-Stunde

Frankreich-Stunde

Das Leben und Leiden des selbstfahrenden Busunternehmers Benno Bandura. Teil 4

Es hatte sich in Benno Banduras Heimatstadt im Rahmen einer Informationsfahrt durch Deutschland ein Bus mit 40 Reiseveranstaltern aus der Picardie angesagt, die ihr Interesse daran bekundeten, das Gruppen-Arrangement „Bier statt Baguette“ zu buchen. Dieses war auf Präsentationen, zuletzt auf einem Reise- Workshop in Amiens, sehr gut angekommen. Benno hatte sich in den Kopf gesetzt, die Gruppe zu begrüßen und die verwitwete Präsidentin des regionalen Reiseveranstalterverbandes nutzbringend und sich quasi für die tourismuswirtschaftlichen Interessen der Gemeinde opfernd zu verführen. Nur hatte er von Kultur im Allgemeinen wenig und von Frankreich im Speziellen überhaupt keine Ahnung. Sedlaçek, Direktor der hiesigen Realschule, sollte Abhilfe schaffen. Das dazu anberaumte Treffen fand in Bennos Partykeller statt. Gehen wir also in medias res.

Verkehrsamtsleiter Dr. Schustek und Pressereferent Lombarski stehen an der Bar und trinken einen bunten Cocktail. Benno steht, barfuß in schwarzen Slippern, und mit einem kirschroten, drachengeschmückten Kimono bekleidet, in der Mitte des Raumes. Sedlaçek, ein asketisch wirkender graumelierter, Halbbrille tragender Endfünfziger mit der Ausstrahlung eines Zollbeamten, sitzt an einem Tisch und hat diverse Literatur über Frankreich vor sich ausgebreitet. „So, Herr Bandura, beginnen wir mit ein paar großen französischen Städten.“

Benno zieht lässig an seiner französischen Zigarette. „Paris, Marseille, Bordeaux, Lyon, Quebec, Montreal, Brüssel.“ Sedlaçek blickt strafend über seine Halbbrille, Lombarski und Dr. Schustek kichern. „Am besten halten Sie nach Lyon den Mund. Compris?“

„Was heißt Kommpri? Kumpel?“ Direktor Sedlaçek ignoriert diese untertertiareife Bemerkung und schreitet zur nächsten Frage. „So, Herr Bandura, fahren wir fort mit einigen Landschaften. Ich höre.“„Die Provence, die Champagne, die Picardie natürlich, Andalusien, die Camorra, wo es noch Wildpferde gibt, und die Po-Ebene mit Avignon als geistigem Zentrum.

Ich bin ganz gut, nicht wahr?“

Direktor Sedlaçek nimmt einen Schluck Rotwein und blickt strafend über seine Halbbrille. „Am besten schweigen wir nach der Picardie, n’est-ce-pas?“

„Jawohl, nässpa, kommpri Sedlaçek.“ Sedlaçek atmet tief durch und zählt still vor sich hin: einundzwanzig, zweiundzwanzig, ganz ruhig bleiben, Ludwig, dreiundzwanzig. „So, Herr Bandura, jetzt nenne ich Ihnen ein paar Stichworte aus der französischen Geschichte, und Sie sagen mir etwas dazu: 1789.“

Benno zieht an seiner französischen Zigarette und kneift dabei die Augen zusammen, was ein wenig nach Humphrey Bogart aussehen soll; nur trug der einen Trench und keinen Kimono. „Rosa Luxemburg, die Jungfrau von Oregano, kommt aufs Schafott.“

Direktor Sedlaçek wirft hilfesuchende Blicke zur Bar und nimmt einen weiteren Schluck Rotwein. „Die Bastille.“ „Neben dem Pernod eines der Lieblingsgetränke der Franzmänner.“

„Diderot.“
„Gelbes Trikot bei der Tour de France 1973.“
„Pompidou.“
„Legendäres Kabarett im Pariser Vorort Cordonbleu.“
„Brigitte Bardot.“ „Macht im Fernsehen Werbung für Pferdefleisch.“

Direktor Sedlaçek schüttelt immer wieder den Kopf und schlägt sich zwischen großen Schlucken Rotwein mit dem Handballen vor die Denkerstirn. Nun kommt man zum praktischen Teil, zur Verführungsszene. Die didaktische Leitung dieses Parts übernimmt Lombarski.

„Also, mein lieber Benno, die Präsidentin kommt ins Badezimmer, wo du dir gerade im Kimono die Haare fönst. Du drehst dich um und öffnest ihn.“

„Warum in aller Welt soll ich den Fön öffnen?“ fragt Benno sichtlich verstört.

„Den Kimono, Benno, den Kimono. Darunter trägst du den Trikoloren-Slip (Benno lässt die Hüllen fallen, und in der Tat kommt ein etwas eng geratener Schlüpfer in den Farben der französischen Flagge zum Vorschein). Und um unseren Gast zu beeindrucken, sagst du: Isch liebe die französische Kultur. Isch liebe Gerard Depardieu, isch liebe Isabelle Adjani, isch liebe Paris, isch liebe die französischen Weine, und isch liebe das Baguette.“

Benno atmet tief durch und wirft den Kopf fast so anmutig wie seinerzeit Charles de Gaulle nach hinten. „Isch liebe die französische Kultur. Isch liebe Gerhard ...“

„Stop. Nicht Gerhard. Schäraaa.“ „Isch liebe die französische Kultur. Isch liebe Janette ...“ Lombarski ist immer noch die Ruhe selbst. „Okay. Ganz ruhig, Benno, nicht nervös werden. Wir lassen ganz einfach den Vornamen weg. Also.“

Benno kräuselt die Nase und versucht es, ein wenig wie Alain Delon blickend, noch einmal: „Isch liebe die französische Kultur. Isch liebe Departement ...“

„Benno. De-par-di-eu.“ Benno fährt mit der Konzentrationsfähigkeit eines Louis de Funès fort: „Isch liebe die französische Kultur. Isch liebe De-pardi-ö, isch liebe Isetta ...“

„Benno. Warum so nervös? Nicht Isetta, Isabelle. Jetzt reiß dich gefälligst zusammen.“

Benno drückt seine Zigarette aus und presst seine Finger an die Schläfen, bevor er es noch einmal versucht: „Isch liebe die französische Kultur. Isch liebe De-par-di-ö, isch liebe Isabelle Abudabi, isch liebe ...“ „Aus! O Gott, das ist ja eine Katastrophe. Benno, ich habe eine Idee: Du öffnest einfach deinen Kimono, lässt die Trikolore sehen und sagst: Isch liebe Ihr Land.“

Benno war nun doch ein wenig verwirrt. „Irland? Wieso denn Irland? Ich denke, Frankreich?“

Blättern Sie in der Sonderausgabe mit ausgewählten Premium-Zielen 2018.

Sie planen einen Gruppenausflug? Dann finden Sie in unseren Themenspecials sicherlich etwas passendes.

bordspielDer Bestseller der Bus-Fahrt: das Unterwegs-Quiz „Reisequiz“. 15 Fragen zu einer Stadt oder Region, kostenlos zum Download. mehr ...

 

Der beliebte Kursus der Bus-Fahrt für Reiseleiter, Busfahrer, Ausbilder und Chefs, die Reiseleiter und Busfahrer einsetzen und ausbilden. mehr ...

 

Besuchen Sie BUS-Fahrt bei Facebook Besuchen Sie BUS-Fahrt bei Twitter

Nach oben

© Bus-Fahrt – Das Portal für die Omnibusbranche 2019