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12.02.2019

Interview mit Matthias Maedge von der IRU

Interview mit Matthias Maedge von der IRU

„Die Zeit drängt“ – Im EU-Parlament fielen erneut alle Kompromissvorschläge zu den Themen Entsendung sowie Lenk- und Ruhezeiten durch. Im Interview spricht Matthias Maedge, Generaldelegierter der IRU in Brüssel, über Ost-West-Debatten, die Bedeutung europäischer Institutionen für deutsche Unternehmen und die Bus2Bus als Branchenforum für wichtige Diskussionen.


Herr Maedge, Sie sind Chef der Internationalen Straßentransportunion IRU in Brüssel. Warum kommt im Europäischen Parlament bei den Themen Entsendung und Lenk- und Ruhezeiten keine Einigung zustande?
Matthias Maedge: Was als Versuch startete, das richtige Gleichgewicht zwischen Markteffizienz und verbesserten sozialen Bedingungen insbesondere für LKW-Fahrer zu finden, wurde zu einer Ost-West-Debatte mit Vorwürfen von „Sozialdumping“ und „Protektionismus“. Die Folgen werden leider die Verkehrsunternehmen und ihre Beschäftigten zu spüren bekommen. Denn es fehlt nun schlicht ein gemeinsamer EURahmen. Stattdessen haben wir potenziell 28 verschiedene Vorschriften und einen völlig zersplitterten EU-Markt. In diesem Szenario verlieren alle, und man kann sich den administrativen Alptraum für Straßenverkehrsunternehmen und ihre Fahrer vorstellen. Wir brauchen harmonisierte, transparente und durchsetzbare Regeln.

Welchen Ausgang erwarten Sie? Sowohl für die Meinungsbildung im Parlament als auch für das anschließende Trilog-Verfahren?
Maedge: Während wir sprechen – also Ende Januar 2019 – ist noch unklar, was die nächsten Schritte sind. Aber die Zeit drängt, wenn man das bevorstehende Der damalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt auf der Bus2Bus 2017 Bus-Fahrt 2|2019 11 Ende dieser Wahlperiode im Mai betrachtet. Wir bei der IRU sind bereit, die Diskussionen wieder aufzunehmen, unserer Stimme Gehör zu verschaffen und jederzeit zu einem positiven Ergebnis beizutragen.

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Welche Ergebnisse wünschen Sie sich für den Personenverkehr?
Maedge: Der erste Teil des so genannten Mobilitätspakets war eine großartige Gelegenheit, insbesondere die Lenk- und Ruhezeiten der Busfahrer im Reiseverkehr flexibler zu gestalten und die Rahmenbedingungen für ihre Arbeit stärker an die Praxis der Branche anzupassen, ohne die Verkehrssicherheit zu gefährden. Alle IRU-Mitglieder wissen, dass das Befördern von Menschen etwas anderes ist als das Transportieren von Gütern. Es ist uns auch sehr gut gelungen, dass sich diese Idee in den Kompromissvorschlägen widerspiegelt, die auf dem Tisch lagen. Leider ist das Mobilitätspaket 1 gescheitert – an Interessen, die mit dem Güterkraftverkehrsmarkt verbunden sind. Aber wir haben die Grundlagen gelegt und werden für die nächste Gelegenheit – sei es im kommenden Monat oder erst im nächsten Parlament – bereit sein, die Besonderheiten des Personenverkehrs in den Rechtsvorschriften besser abzubilden.

Was kann und muss die Interessenvertretung der Branche tun, um beim Mobility Package das Beste rauszuholen?
Maedge: In erster Linie mit einer Stimme sprechen. Wenn die gesamte europäische Omnibusindustrie, einschließlich der Hersteller, Tourismusorganisationen und Fahrgastorganisationen, mit einer Stimme spricht, sind wir natürlich stärker.

Warum sind die Entscheidungen zum Mobility Package überhaupt so wichtig für die Busbranche in Deutschland?
Maedge: Die Antwort ist ganz einfach: Die Verkehrspolitik liegt in der Zuständigkeit der EU. Die meisten Entscheidungen werden zwar vielleicht auf nationaler Ebene getroffen. Sie gehen ihrerseits aber auf die eine oder andere Weise aus den in Brüssel getroffenen Entscheidungen hervor. Die deutschen Verbände der Verkehrswirtschaft verstehen das sehr gut und tragen wesentlich zur Arbeit der IRU bei.

Apropos Deutschland: Die IRU engagiert sich auch in diesem Jahr wieder bei der Bus2Bus. Was zieht Sie nach Berlin?
Maedge: Die IRU hat bereits die Ausgabe der Bus2Bus 2017 unterstützt. Es war eine großartige Veranstaltung, und wir freuen uns darauf, im März wieder teilzunehmen. Die Bus2Bus ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, Schlüsselpersonen der Branche zu treffen und sie einzuladen, der IRU als Mitglied beizutreten. Die Bus2Bus ist die richtige Platform, wo die wichtigen Zukunftsthemen diskutiert werden und wo Innovationen stattfinden. Ich freue mich darauf.

Welche Rolle spielt die politische Diskussion, wie wir Sie auf dem BDO-Kongress sehen werden, für Ihre Arbeit auf der europäischen Bühne?
Maedge: Der BDO leistet einen wichtigen Beitrag zur Arbeit und Positionierung der IRU in Fragen des Personenverkehrs. Für mich persönlich ist es wichtig, zu Treffen und Veranstaltungen zu gehen, die von IRU-Mitgliedern organisiert werden. Das gibt mir die Möglichkeit, direkt von den Unternehmen zu hören. Für mich ist das unbezahlbar, denn wir vertreten in erster Linie ihre Interessen.

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