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19.04.2022

Polen: „Nicht unsicherer als in Deutschland“

Polen: „Nicht unsicherer als in Deutschland“

Was das Reiseziel Polen betrifft, ist die Verunsicherung verständlicherweise groß. Wie aber schätzt ein Polen-Experte und Kenner des Landes die derzeitige Lage ein? Die Bus-Fahrt sprach mit Konrad Guldon (Foto), Leiter des Polnischen Fremdenverkehrsamts in Berlin.

Bus-Fahrt: Kommen wegen des Kriegs in der Ukraine aktuell weniger Touristen nach Polen und werden bestehende Reise-Buchungen deswegen storniert?
Konrad Guldon: Die ersten Monate des Jahres 2022 standen noch im Zeichen der Pandemie. Doch die Zahl der Infektionen ist in Polen in den vergangenen Wochen deutlich gesunken und mit einer 7-Tage-Inzidenz von 200 liegen wir im europäischen Vergleich sehr gut. So waren wir bis vor einigen Tagen noch sehr zuversichtlich für das Reisejahr. Nachdem Polen Ende Februar endlich von der Liste der Hochrisikogebiete gestrichen wurde, ging bei vielen Hotels die Zahl der Buchungen für das Frühjahr und den Sommer stark nach oben und man freute sich über eine gute Saison. Der Krieg in der Ukraine führt natürlich zu einer Verunsicherung bei Reisenden, auch wenn wir bisher noch kaum Informationen über Stornierungen von Reisen erhalten haben.

Bus-Fahrt: Erwarten Sie für den Oster- oder den Sommerurlaub weniger Touristen wegen des Krieges?
Guldon: Wir rechnen im Moment nicht mit Stornierungen in größerem Maße. Wir hoffen alle, dass der Krieg in der Ukraine und damit das Leid der Menschen dort bald beendet wird, denn der Tourismus weltweit lebt vom friedlichen Zusammenleben der Menschen.

Bus-Fahrt: Kann man gefahrlos in diesem Frühling oder Sommer in Polen Urlaub machen und bleiben die bestehenden touristischen Angebote bestehen oder wird es Einschränkungen geben?
Guldon: Wir können jetzt nur von der aktuellen Situation sprechen und da können wir sagen, dass die Situation in Polen nicht unsicherer ist als in Deutschland. Der Südosten unseres Landes, der unmittelbar an die Ukraine grenzt, wird bislang nur von einem kleinen Teil der deutschen Gäste besucht. Die meisten Deutschen zieht es an die Ostseeküste, in Seebäder wie Kolberg oder Swinemünde, oder in Regionen wie das Riesengebirge und das Hirschberger Tal, die ähnlich weit entfernt von dem Kriegsgeschehen sind wie beispielsweise Berlin.
Wir haben jetzt Hunderttausende Menschen bei uns aufgenommen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind. Viele sind bei Freunden oder Bekannten untergekommen und dank einer sehr großen Hilfsbereitschaft der Menschen auch bei vielen polnischen Familien. Zum Teil werden sie auch vorübergehend in Hotels oder Pensionen untergebracht, aber das sind eher Einzelfälle und es betrifft nicht die Ferienanlagen, die üblicherweise von deutschen oder anderen ausländischen Gästen gebucht werden. Insofern rechne ich auch nicht damit, dass Gäste, die ihren Urlaub in Polen verbringen, Einschränkungen hinnehmen müssen. Aber sie werden überall im Land die Zeichen der Solidarität mit unserem Nachbarland Ukraine sehen.

Sie wollen mehr erfahren? Das komplette Interview gibt es in der Bus-Fahrt 4/22 zu lesen.