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05.06.2020

Tourismuswirtschaft kritisiert Rettungspaket

Tourismuswirtschaft kritisiert Rettungspaket

Die Tourismuswirtschaft bewertet das „Konjunkturpaket“ im Zuge der Coronakrise skeptisch: Es enthalte einige kleinere positive Elemente, sei aber nicht der angekündigte große Wurf. Begrüßt werden direkte finanzielle Beihilfen und die temporäre Mehrwertsteuersenkung bis Ende 2020.

Ob die Maßnahmen jedoch die gewünschte Wirkung entfalten, sei zweifelhaft. Vermisst wird eine Lösung für die Kundengeldrückzahlungen der in der Coronakrise stornierten Veranstalterreisen. Im Einzelnen bewertet die Tourismuswirtschaft die beschlossenen und fehlenden Maßnahmen wie folgt:

Tourismus in Deutschland stand über Wochen still und tut es in vielen Segmenten immer noch. Auch in den Branchenteilen, die unter Auflagen nun wieder starten durften, sind die Umsatzausfälle aufgrund der Auflagen weiterhin immens. Die beschlossenen, nicht rückzahlbaren Überbrückungshilfen sind deshalb überfällig, um viele Unternehmen unserer Branche vor der fast sicheren Insolvenz und damit auch Arbeitsplätze zu retten.

Die geplanten Summen pro Betrieb reichen allerdings nicht aus. Überbrückungshilfen für drei Monate greifen zudem in unserer besonders betroffenen Branche deutlich zu kurz. Hier bleibt eine Ausweitung auf sieben Monate zwingend notwendig. Spannend bleibt auch die Frage, wer genau alles auf die Gelder zugreifen darf. Von entscheidender Bedeutung ist, dass die Maßnahmen sehr schnell und unbürokratisch greifen und zur Auszahlung kommen, um Insolvenzen in diesem Stadium abzuwenden.

Der ergänzend auf den Weg gebrachte reduzierte Mehrwertsteuersatz kann im zweiten Halbjahr wichtige Impulse auf Unternehmens- und Kundenseite setzen. Im Tourismus wird er allerdings nur Wirkung entfalten, wenn die Unternehmen der Tourismuswirtschaft auch wieder Angebote und damit Umsätze im nennenswerten Umfang machen dürfen.

Erste wichtige Schritte des Wiederanfahrens sind getan, zuletzt auch mit der gestrigen Ankündigung, die generelle Reisewarnung für Europa in differenzierte Reisehinweise umzuwandeln. Weitere müssen folgen. Auch die geltenden Auflagen für touristische Dienstleistungen und Veranstaltungen gilt es, immer wieder zu überprüfen und da, wo es der Gesundheitsschutz zulässt, zu reduzieren.

Immense Sorgen bereitet der Tourismuswirtschaft, dass das Konjunkturpaket keine Lösung für die im Zuge der Coronakrise stornierten Reisen beinhaltet. Hier sehe die Politik tatenlos zu, wie von der Coronakrise massiv betroffene Unternehmen sehenden Auges gegen die Wand fahren. Sie brauchen dringend einen ergänzenden kreditbasierten Rückzahlungsfonds für die geleisteten Kundengelder. „Sonst droht der Kollaps vieler touristischer Unternehmen und mit ihm aller vorgelagerten Dienstleistungen“, heißt es. Tourismus mit seinen komplexen Prozessen funktioniere nur als Einheit.

Aus dem Fonds sollten Unternehmen vorübergehend Geld entnehmen können, um ihren Kunden bereits gezahlte Gelder für pandemiebedingt stornierte Reisen rück zu erstatten. Es geht dabei um Reisen, die aufgrund der Reisewarnung abgesagt und rückabgewickelt werden mussten. Nur wenn den Unternehmen diese notwendige Liquidität garantiert wird, kann ihr Überleben nachhaltig gesichert werden. "Und deshalb werden wir nicht nachlassen, einen solchen Kreditfonds einzufordern", heißt es.

Neben anderen unterzeichneten dieses Schreiben Michael Rabe vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Sebastian Worel vom Bundesverband der Deutschen Incoming-Unternehmen (BVDIU), Christiane Leonard vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO), Ingrid Hartges vom Dehoga-Bundesverband sowie Benedikt Esser vom Internationalen Bustouristik Verband (RDA).

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