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15.08.2019

Schichtwechsel im Nationaltrikot

MAN fährt jetzt auch die Nationalmannschaften des Deutschen Fußballbundes. Drei Dreiachser vom Typ Lion’s Coach C sind für Nationalspielerinnen und -spieler im Einsatz. Plus ein Fahrzeug für begleitende VIPs. Die Einladung, mal selbst Hand anzulegen, konnten wir unmöglich ausschlagen.

Wann bekommt man schon ein solches Angebot? Einmal den DFB-Bus steuern, mit Nationalkickern und allem Drum und Dran – das wär’s doch. Schließlich hat man ja schon mal mittrainiert mit den Bundesliga-Buspiloten, das ganze Sicherheitseinmaleins, quasi als Kollege. Und dann kommt der Anruf von MAN: „Magst du mit einem neuen DFB-Bus eine Proberunde drehen?“ Und ob ich das will, die Chance lasse ich mir doch nicht entgehen. Die Nationalspieler muss ich mir natürlich dazudenken. Denn die trainieren jetzt hart im Verein für die kommende Saison 2019/20. Aber wir fahren jetzt zum Stadion, ganz im Modus wie die Kicker, die Allianz-Arena in München ist unser Ziel.

Mannschaftsbusse haben Konjunktur, und zumal für den DFB eine lange Tradition. Schon 1954 gab es den schicken Magirus-Reisebus mit umfassender Dachrandverglasung, der die Spieler vom Herberger Sepp in der Schweiz chauffierte. Später hat Mercedes-Benz diese Rolle für sich reklamiert. Die Älteren unter uns erinnern sich gern an den O 302 mit charakteristischer Klimahutze im Heck, der 1974 die deutsche Nationalmannschaft (und alle anderen Teams) zu den Stadien fuhr.

Drei MAN Lion’s Coach C für den DFB
Bis noch vor Monaten war die Welt für den Stern noch in Ordnung. Während die wichtigsten europäischen Eliteklubs wie der FC Bayern, die Borussia in Dortmund oder Paris Saint Germain bereits MAN-Mannschaftsbusse besaßen, fuhr der DFB noch mit einem Travego-Dreiachser vor. Aber wie im wichtigsten Fußballteam der Nation hat sich auch das Umfeld grundlegend verändert. Seit 2019 ist Volkswagen der Mobilitätspartner des DFB. Für die Mannschaftsbusse sorgt nun MAN. Es sind drei Lion’s Coaches, je einer für die Frauen, die U21 und die Herren Nationalkicker. Doch nur einer der weißen Hochdecker darf die Aufschrift „Die Mannschaft“ tragen, den haben Jogis Jungs exklusiv für sich.

Den haben wir, ehrlich gesagt, auch nicht zur Verfügung. Aber immerhin die Nummer 4. Der DFB braucht ihn derzeit nicht, schließlich sind kurz vor Saisonstart auch keine Länderspiele anberaumt. Betont ehrfurchtsvoll treten wir dem elitären weißen Lion’s Coach näher. Er trägt die deutschen Farben auf dem Kopf, das haben die Designer verbrochen. Die deutsche Fußballöffentlichkeit hatte vom (MAN-)Start weg ein Thema und der Sponsor VW den Spott. Das wollen wir auch gar nicht kommentieren, wir sind ja eher am Objekt interessiert.

Die Nationalmannschaften fahren den Coach C, mit 13,36 m Länge spart er gegenüber dem 14-m-Travego, dem Vorgänger, vor allem am Radstand. Die fehlenden Zentimeter kommen dem Fahrer bei engen Manövern entgegen. Schließlich muss der Chauffeur ja in enge Stadionzufahrten zirkeln – das macht der etwas kürzere DFB-MAN mit Bravour. Die dritte Achse lenkt hier noch per Adhäsion mit, sie soll demnächst auch im Lion’s Coach elektrohydraulisch arbeiten.

(Fast) nichts ist unmöglich im BMC
Die Besonderheiten des DFB-MAN sind eher beim Interieur zu finden. Für die Einrichtung zeichnet bekanntlich das konzerneigene Bus Modification Center (BMC) in Plauen verantwortlich. Die Busprofis im Vogtland haben sich mit allerhand Spezialaufträgen in der Branche schon einen guten Ruf erarbeitet. So sollen in der Plauener Manufaktur zuletzt schon Fremdfabrikate gesichtet worden sein. Was uns nicht verwundert, denn der Busausstatter Frenzel in Obersulm ist in Insolvenz gegangen. Der Erfolg des BMC von MAN dürfte auch nicht ganz unbeteiligt daran sein.

Schließlich hat Frenzel früher mit Inlosal, allerdings müssten die Athleten in unserem MAN auf die Beinauflagen verzichten. Dafür kann ein Mannschaftsteil – oder die Teamleitung – in der elitären Hecklounge die Spielstrategie vertiefen. In Fahrzeugmitte überbaut ein Küchenschrank mit großer Arbeitsplatte das Toilettenabteil. Gegenüber im  Mitteleinstieg sitzen Mikrowelle, Kaffeemaschine und ein Spülbecken – was man eben so braucht unterwegs. Auch die Kommunikation kommt nicht zu kurz, eine Multifunktionsantenne versorgt Navigation, Mobilfunk und digitales TV.

Kritik auf hohem Niveau
Mittlerweile haben wir aus der Willkommensgasse der Allianz-Arena in die Parkzone für die Mannschaftsbusse eingefädelt. Kein großer Bahnhof wartet heute, aber wir dürfen die Umkleide der FC-Bayern-Spieler besuchen und laufen stilgerecht wie diese durch den Spielertunnel ins Stadion ein. Ein sommerlicher Vormittag in der Allianz-Arena, der Rasen wird bewässert, derzeit hegen und pflegen 70 Mitarbeiter die vereinseigene Immobilie.

Natürlich – und wir können gar nicht anders – rücken wir auch dem weiß-schwarz-rot-goldenen Lion’s Coach C noch auf den Pelz. Er macht auf der Straße, nicht nur optisch, eine gute Figur. Technisch ist er, obwohl noch ziemlich taufrisch, schon nicht mehr auf dem neuesten Stand. Der kräftige 500-PS-Sechszylinder verbrennt nur nach dem Euro-6c-Reinheitsgebot, die neuesten MAN-Diesel erfüllen ja bereits die Abgasvorschriften nach Euro 6d und schaufeln ein Quäntchen mehr Drehmoment und Leistung an die Räder.

Auch das automatisierte Tipmatic-Getriebe ist nicht mehr auf dem neuesten Stand. Es schaltet zwar komfortabel, vielleicht etwas zu oft und manchmal nicht so flink, wie man es möchte. Aber am Fahrverhalten und erst recht dem Fahrkomfort gibt es nichts zu meckern. Zuletzt noch eine Extraschleife über die Landstraße, Paris wäre jetzt nicht zu weit – immer der untergehenden Sonne entgegen.

Speziell für Jogis Truppe
Dieser MAN Lion’s Coach C fährt für das Vorzeigeteam in Deutschland, nur er trägt das Branding „Die Mannschaft“. Was macht ihn so besonders? Nicht die Motorleistung, das Komfortfahrwerk oder die Sicherheitsausstattung, es ist das Interieur, das in Zusammenarbeit mit dem DFB konzipiert wurde. Selbstverständlich sind alle 36 belederten Fahrgastsitze (von Kiel) mit verstellbaren Kopfstützen ausgestattet, damit auch großgewachsene Nationalspieler entspannen können. Vier Vis-à-vis-Tische, davon zwei höhenverstellbar, bieten Platz für den Austausch vor und nach den Spielen.

Klar, dass ein solcher Omnibus auch eine hochwertige Catering-Zone bereithält: Mit viel Stauraum, mit Kaffeebar und Kühlschrank. Die leistungsstarke Multimedia-Ausstattung lässt nur wenige Wünsche offen: Premium-Wlan mit LTE-TV-Empfang, Medienserver, eine Soundanlage mit zusätzlichen Lautsprechern und Subwoofern, im Heck zusätzliche LCD-Monitore für das bordeigene Infotainment-Angebot.

WT

 

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