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07.01.2019

Erfahrung hilft, Training ist besser

Erfahrung hilft, Training ist besser

Wenn sich die Luxusbusse der Bundesliga-Spitzenteams treffen, ist immer eine gehörige Portion Adrenalin und Aufregung im Spiel. Aber diesmal ist alles anders: Auf dem Trainingsplatz des ADAC ist von Konkurrenz nichts zu spüren, hier drehen die MAN-Teambusse einträchtig ihre Runden.

Beim Zusammentreffen herrscht großer Bahnhof. Handshake hier und Schulterklopfen da, man kennt sich ja von unzähligen Bundesliga-Spieltagen und von Pokaltreffen. Da macht schon mal ein flotter Spruch die Runde, das letzte Spielwochenende bleibt nicht unkommentiert, etwas Spaß darf da nicht fehlen. Aber damit ist es auch gut, auf dem Fahrsicherheitsgelände im brandenburgischen Linthe geht es um die Sicherheit, und damit ist nicht zu spaßen. Auch die Busfahrer der großen Bundesliga-Vereine absolvieren ihre Weiterbildung. Ein zentrales Thema ist und bleibt natürlich die Sicherheit, und das aus Gründen. „Der Winter, auch wenn er eher mild ausfällt, schlägt sicher nochmal zu“, sinniert Michael Lauerbach nachdenklich. Der Stammfahrer des FC-Bayern-Teams spricht über vereiste Straßen und sichere Fahrten zu den Einsatzorten. Der Busprofi des FC Bayern weiß, wovon er spricht. Mehr als 60.000 Kilometer legen er und seine Kollegen jährlich mit dem roten Mannschaftsbus des deutschen Rekordmeisters zurück. Auf dem Weg zu den Stadien ist die Zeit knapp und durchgetaktet, es darf nichts passieren. Es geht auch nicht nur um die Mannschaft, die bei längeren Distanzen ohnehin fliegt.

Zu den Auswärtsspielen bringt der Bus alles mit, was das Team braucht: die Trikots, die Fußballschuhe und Trainingsutensilien. Und jetzt mit dem neuen Mannschaftsbus der Bayern, der soll möglichst lange unbeschädigt fahren. Schließlich ist der rote 500 PS starke Lion’s Coach L das neueste MAN-Fahrzeug und somit das Aushängeschild im Bundesliga-Fuhrpark. Diesmal nicht dabei sind die Dortmunder. Auch der BVB hat wie die Münchner einem neuen, wie immer schwarzen MAN-Teambus bekommen. Der alte – man kennt die Geschichte hinlänglich – wurde ja bei einem gemeinen Anschlag ziemlich beschädigt und anschließend repariert. Aber der Tabellenführer der Bundesliga ist derzeitig sehr beschäftigt – der neue (aber noch das alte Modell!) Mannschaftsbus muss rollen für den Verein. Was auch für Christian Schulz gilt, der überall nur „Schulle“ gerufene Buspilot der Dortmunder schruppt zur gleichen Zeit Kilometer im Ruhrgebiet. Und gerade in der europäischen Champions League sind lange Distanzen die Regel. Davon kann auch Christian Schulz, der Mannschaftspilot des BVB-Busses ein Lied singen. Seine BVB-Freunde nennen ihn „Schulle“, das Dortmunder Original ist das zugehörige Gesicht zum schwarzgelben MAN. „Bis zu 300 Kilometer Distanz fahren die (BVB-)Profis mit dem Bus“, sagt Christian, der „Michi“ vom FCB spricht von der gleichen Regel. Liegen die Spielorte weiter, wird aus Zeitgründen geflogen, aber der Mannschaftsbus eilt voraus. Und bringt zum Auswärtsspiel alles mit, die Trikots, die Fußballschuhe und Trainingsutensilien, alles was die Fußball-Profis für das Spiel und den Ablauf so brauchen. Und nicht zuletzt gilt der Mannschaftsbus als das Allerheiligste und als Rückzugsort, gerade bei einem Auswärtsspiel.

Volle Konzentration auf dem Gleitbelag
Es geht richtig bunt zu am ADAC-Trainingsgelände. Neben dem roten Bayern-Bus steht der grüne MAN des VFL Wolfsburg, schräg gegenüber der Dreiachser des FC Augsburg in Schwarz und silbern folierten Scheiben. Dazu der Schweizer Spitzenklub FC Basel in Rot-Blau, diesmal darf auch der Fahrer mittrainieren, der den Mannschaftsbus der Bayern-Basketballer pilotiert. Auch der TSV 1860 München darf etwas Erste-Liga-Luft schnuppern, wenngleich der Neoplan Cityliner der Münchner Löwen nicht mit aufs Mannschaftsbild darf. Gerade eben rollt der grüne Wölfe-Bus des VFL Wolfsburg in die Bahn. Richtiges Bremsen steht auf dem Plan, zuerst eine Vollbremsung aus 30 km/h, um die maximale Bremswirkung zu erleben. Erfahrene Busfahrer haben damit gern ein Problem und lupfen das Pedal zu früh, denn die Fahrgäste sollen ja keinesfalls mit heftigen Fahrmanövern belästigt werden – so hat man es schließlich gelernt. Aber die rechtzeitige Einleitung einer Vollbremsung und der volle Bremsdruck bis zum Stillstand können Unfälle verhindern. Und ein zögerliches Handeln wäre im Ernstfall einfach falsch. Deshalb wird hier geübt, um die Hemmschwelle zu schleifen, verschärft wird die Übung auf den Gleitbelag. Der Reibwert dort entspricht einer Glatteisfläche auf der Straße.

Und hier staunen die Chauffeure, wie sich der Bremsweg verlängert, während die ABS-Systeme der Lion’s-Coach-Reisebusse mit rhythmischen Stotterbremsungen blockierende Räder verhindern. Und es geht noch schärfer: jetzt mit Schwung teils auf die nasse Gleitfläche und mit den rechten Rädern auf dem Asphalt. Die Vollbremsung zeigt, dass sich die Dreiachser leicht dorthin drehen, wo es höhere Reibwerte gibt. Die segensreiche Funktion der ESP-Systeme unterbindet den Drang zur Querdynamik, die forsch gefahrenen Dreiachser kommen nach kurzem Heckschwenk sicher zum Stehen. Mit gezielter Einzelradbremsung wird das schwere Fahrzeug wieder auf Kurs gebracht. Man spürt den Vorgang, reagiert mit Lenkung und Pedalen, das Popometer des Fahrers entwickelt sich weiter. Der Wolfsburger Stammfahrer Guido Vicinotti lobt die Ernsthaftigkeit des Praxistrainings und den Effekt für die Praxis: „Wo kannst du mit einem so großen Fahrzeug sonst Extremsituationen erproben? Wenn du mal auf glatter Straße ins Rutschen kommst, hast du das schon mal erlebt und weißt, was du tun kannst.“

Auch wenn die Fahrer alles längst kennen, wiederholen die Trainer allseits bekannte Regeln, die man im Alltag gern vernachlässigt. Das beginnt beim richtigen Sitzen, fürs Reagieren in kniffligen Situationen ist es unerlässlich. Das mag banal klingen – hier schleift sich im Alltag so manche Fehlhaltung ein. Das offenbart sich anschaulich beim Riesenslalom auf rutschiger Fahrbahn. Wer zu tief im Sitz lümmelt oder mit gestreckten Armen lenkt, schafft den erforderlichen Lenkeinschlag nicht. Bei wohlgemerkt 30 km/h, danach ist man schlauer. Lernen und erfahren Man merkt sich alles besser, wenn man auch die physikalischen Zusammenhänge kennt. Deshalb wird zuerst noch die Schulbank gedrückt, die Profidrive-Trainer von MAN pauken mit den Bundesliga-Fahrern das Basiswissen. Wie schätzt man den erforderlichen Bremsweg richtig ein? Wie funktionieren die Assistenzsysteme wie ABS, ASR und ESP, was kann ein Notbremsassistent leisten? Die Trainer orientieren sich am jeweiligen Wissensstand und setzen auf multimediale Methoden. Das Lehrgangskonzept heißt „Lernen und fahren“, und kaum hat man seinen eigenen Fahrstil überprüft, wird man nach absolviertem Training zum Überzeugungstäter. Wie „Michi“ Lauerbach vom FC Bayern, der sagt: „Eine regelmäßige Auffrischung der Kenntnisse lohnt sich immer, allein schon deshalb, um sich mit der neuesten Fahrzeugtechnik vertraut zu machen“.

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