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07.06.2013

Akute Notfallhilfe

Als Reiseleiter tragen Sie für die Reisegäste Verantwortung – auch bei medizinischen Vorfällen. Bereiten Sie sich daher regelmäßig und gewissenhaft auf Notfälle vor.

notfall

Grundsätzlich sollten Sie sich vor der ersten Fahrt mit dem Notausstieg und dem technischen Notfallplan des Busses vertraut machen. Informieren Sie sich über Notausstiege,  Erste-Hilfe-Kästen und sprechen Sie mit dem Buschauffeur über richtiges Notfallverhalten (RBI-Notfall-Mappe des RDA; empfohlen werden auch die Bus-Pilot-Schulungen des RDA).


Bei Fußführungen und Programmpunkten ohne Bus ist der Reiseleiter auf sich gestellt. Bei längeren Besichtigungstouren und Outdoor-Aktivitäten sollte daher ein handelsübliches Erste-Hilfe-Set unbedingt mitgeführt werden. Dieses individuell mit Wundcreme, Aspirin und Ähnlichem zu ergänzen empfiehlt sich. Auch wenn es gut gemeint ist: Unterlassen Sie unbedingt medizinische Empfehlungen („Nehmen Sie eine Aspirin“). Als Laie wissen Sie nicht, welche Auswirkungen dies in Kombination mit anderen Medikamenten haben könnte. Auch nicht-rezeptpflichtige Medikamente können allergische Reaktionen auslösen, die Ihnen als Laie nicht bekannt sind. Stellen Sie eine Reiseapotheke mit den nötigsten Mitteln zur Verfügung, geben Sie diese jedoch nur gegen klare, aktive Nachfrage und Aufforderung durch den Gast heraus. Stellen Sie zudem sicher, dass Sie als Reiseleiter bei Outdoor-Aktivitäten ein funktionsfähiges Mobiltelefon mit ausreichend Netz und Akkulaufzeit mit sich führen.

Gerade bei Reisen und Aktivitäten von älteren Personen sind Störungen des Herz-Kreislauf-Systems und Dehydrierung häufige medizinische Vorfälle. Weisen Sie während der gesamten Reise und den Mahlzeiten sowie vor längeren Besichtigungen und körperlichen Aktivitäten auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hin. Stellen Sie vor und nach Aktivitäten sowie bei sommerlichen Witterungsverhältnissen genügend Wasser und Pausenzeiten zur Verfügung.

Bei bewusstlosen Personen muss schnellstmöglich gehandelt werden, da ein Kreislaufstillstand droht:
•    Bewusstsein prüfen (ansprechen und anfassen)
•    Atmung und Puls überprüfen; Atmung und Puls vorhanden
•    stabile Seitenlage herstellen, um Atemwege freizuhalten und diese zu sichern
•    Notruf absetzen – europaweit 112 (Wo ist der Notfall/Unfall? Was ist geschehen? Wie viele Verletzte sind zu versorgen? Welche Krankheitszeichen haben die Betroffenen? Warten Sie unbedingt auf Rückfragen des Rettungsdienstes
•    Wärmeerhalt: Betroffenen zudecken
•    Beruhigen, betreuen und beobachten, Bewusstsein, Puls und Atmung regelmäßig prüfen
Herzinfarkt – ein Notfall
Mögliche Symptome: Enge-Gefühl in der Brust, Luftnot, starke Schmerzen im Brustbereich (bis in den linken Arm, Kiefer und Rücken), blassgraues und schweißnasses Gesicht, Erbrechen und Bauchschmerzen, Schwächegefühl und Todesangst:
•    Notruf absetzen – Lebensgefahr
•    Gast ansprechen, beruhigen und mit erhöhtem Oberkörper anlehnen
•    Engen Kragen und Gürtel öffnen und für Frischluft sorgen
•    Aufregung vermeiden, Gast abschirmen; bei Kältegefühl zudecken
•    Bei einsetzender Bewusstlosigkeit, vorhandenem Puls und Atmung, Gast in stabile Seitenlage bringen
•    Bei Bewusstlosigkeit, nicht-vorhandener Atmung und nicht-tastbarem Puls, sofort Herz-Lungen-Wiederbelebung anwenden
Reagiert der Betroffene nicht auf Ansprachen und Schmerzreiz, sind weder Puls noch Atmung vorhanden, muss von einem lebensbedrohlichen Kreislaufstillstand ausgegangen werden:
•    Notruf absetzen – Lebensgefahr
•    30 x Herzdruckmassage anwenden
•    2 x Atemspende
•    Herzdruckmassagen und Atemspenden im Wechsel unbedingt durchführen, bis der Notarzt eintrifft und die Maßnahmen fortsetzt oder beim Gast wieder eine normale Atmung einsetzt

Merke: In vielen öffentlichen Einrichtungen sind heutzutage mobile Defibrillationsgeräte (AED) installiert. Nutzen Sie diese und folgen Sie den Sprachanweisungen des modernen Gerätes.
Nach der Akuthilfe und der Weiterbehandlung des Gastes durch die Rettungskräfte, sollten Sie Ihre übrigen Gäste beruhigen. Eine zwangsläufige Information von unbeteiligten Gästen ist nicht nötig. Bei der Information der Firmenzentrale ist Objektivität erforderlich. Organisieren Sie mit Ihrer Zentrale gegebenenfalls den Weitertransport der unverletzten Gäste oder reagieren Sie direkt auf mögliche Auswirkungen des Vorfalles auf den weiteren Reiseablauf.

Sie sind kein Arzt, sollten jedoch als Reiseleiter im Notfall Soforthilfe leisten können. Nehmen Sie daher unbedingt Abbildungen der wichtigsten lebensrettenden Sofortmaßnahmen in Ihre Brieftasche und Arbeitsmappe auf (stabile Seitenlage, Beatmung, Blutstillung, Schock). Neben der obligatorischen Auffrischung des Kurses „Lebensrettende Sofortmaßnahmen“ in Abständen von zwei bis drei Jahren, sollten Reiseleiter einen „Erste-Hilfe-Lehrgang“ absolvieren. So ist lebensrettendes Wissen dauerhaft präsent und anwendbar.

Ulrich Gauf*
*Reiseleiter-Zertifikat Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft und Hochschule Bremen

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